Systembeschreibung

Als „sanfte Kunst“ wurde das Jiu-Jitsu in Deutschland bekannt. In der Übersetzung ist das Wort „Jiu“ als „weich/sanft“ und „Jitsu“ als „Kunst/Können“ zu bezeichnen. Die Bezeichnung „sanfte Kunst“ sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um ein Selbstverteidigungssystem handelt, das seinen Ursprung auf dem Schlachtfeld hatte. Jiu-Jitsu ist die waffenlose Kampfkunst der Samurai, den Rittern des feudalen Japan.

Jiu-Jitsu ist die Abwehr gegen einen Angriff unter Ausnutzung von Hebelgesetzen, optimierter Motorik und Kenntnis der menschlichen Anatomie und seinen Schwachstellen. Alle Möglichkeiten des wirkungsvollsten Gebrauchs des menschlichen Körpers werden im Jiu-Jitsu genutzt. Würfe und Hebel sowie Schläge, Tritte und Würgegriffe zwingen den Gegner zur Aufgabe, machen ihn kampfunfähig oder versetzen den Verteidiger in die Lage seinen Angreifer zu kontrollieren. Durch die Ausnutzung und Umleitung der Angriffsenergie ist auch der vermeintlich Schwächere in der Lage einen stärkeren Gegner zu bezwingen. Dies gilt für alle Distanzen sowohl im Stand als auch in der Bodenlage.

„Nachgeben um zu Siegen“ ist eines der Hauptprinzipien im Jiu-Jitsu. Jiu-Jitsu kann unabhängig von Alter und Geschlecht von jedermann gelernt werden. Die große Stärke des Systems ist die Möglichkeit eines jeden Einzelnen, seine persönlichen Stärken zu nutzen und Schwächen auszugleichen.

„Weil der Bambus geschmeidig ist, fürchtet er nicht den Sturm.“
japanisches Sprichwort

Christian Keip 1. Dan Immobilisation

Christian Keip 1. Dan – Immobilisationstechnick

Jiu-Jitsu wird in der Regel in einem weißen Gi (Kampfanzug) mit entsprechendem Gürtel und barfuß trainiert. Im klassischen Dojo trägt man z.T. auch einen Hakama (Hosenrock).

Die Gürtel (Obi) sind farbig und entsprechen dem Graduierungssystem das Jigoro Kano, Begründer des Judo, einst einführte. Bis einschließlich zum 5. Dan werden die Gürtel durch Prüfung erworben, danach durch Verleihung für besondere Verdienste um das Jiu-Jitsu.

Unabhängig von der farbigen Graduierung gibt es in den alten Schulen drei Stufen:
Schüler (Mudansha), Meister der Kriegerstufe bis einschl. 4. Dan (Yudansha) und Meister der Lehrerstufe ab 5. Dan (Kodansha). Diese Lehrer werden in der Regel mit Sensei angesprochen.

Schülergrade (Kyu):
weiß – 6 .Kyu
gelb – 5. Kyu
orange – 4. Kyu
grün – 3. Kyu
blau – 2. Kyu
braun – 1. Kyu

Meistergrade (Dan):
schwarz – 1. Dan – Shodan
schwarz – 2. Dan – Nidan
schwarz – 3. Dan – Sandan
schwarz – 4. Dan – Yondan

Meistergrade (Dan) Sensei:
schwarz – 5. Dan – Godan (Renshi)
rot-weiß – 6. Dan – Rokkudan (Renshi)
rot-weiß – 7. Dan – Shichidan (Kyoshi)
rot-weiß – 8. Dan – Hachidan (Kyoshi)
rot – 9. Dan – Kudan (Hanshi)
rot – 10. Dan – Judan (Hanshi)

„Vom Weißgurt bis zum Schwarzgurt formt man das Werkzeug. Ab dem Schwarzgurt lernt man, wie man es benutzt.“

Jiu-Jitsu

Transporttechnik

Es gibt eine Reihe von Verhaltensregeln (Reiho) die den Trainingsbetrieb regeln und von Schule zu Schule variieren. Eine bestimmte Grundetikette ist aber weltweit bekannt und einzuhalten (siehe „Dojo“).

Das Jiu-Jitsu Training beginnt mit einer Aufwärmgymnastik und beinhaltet Fallschule, Techniktraining, Bodenkampf und Sparring (freie Abwehr). Darüber hinaus werden je nach Schule Kata (Formen) trainiert (siehe „Techniken“).

Kampfkünste wie das Judo und das Aikido haben sich aus dem Jiu-Jitsu und dessen Vorläufern herausgebildet. Daraus ergibt sich, dass ein guter Jiu-Jitsuka werfen und kämpfen kann wie ein Judoka. Dass er Hebeltechniken wie ein Aikidoka ausführt, und Schläge und Tritte aus dem Karate beherrscht.

Jiu-Jitsu ist eine ganzheitliche Kampfkunst, ein Kampfsport, und eine effektive Selbstverteidigung.