Techniken & Kata im Jiu-Jitsu

Techniken im Jiu-Jitsu

Jiu-Jitsu setzt sich aus Techniken zusammen, die sowohl einzeln als auch in Kombination ausgeführt werden. Die Kunst des Jiu-Jitsu ist es immer von einer Technik in die nächste wechseln zu können, je nachdem wie der Gegner reagiert. Man muss in der Lage sein sich immer der Bewegung des Gegners anzupassen, bis man ihn letztendlich besiegt hat. Das kann sofort mit der ersten Technik gelingen, es kann aber auch mehrere Ansätze benötigen (Weiterführungstechnik), je nach Widerstand (Gegentechnik) des Angreifers.

Philipp Züsli 1. Dan

Philipp Züsli 1. Dan – Vorführung einer Technik vor den Schülern

Hier können wir nur anschneiden welche Möglichkeiten es im Jiu-Jitsu gibt. Das Repertoire der Techniken und Kombinationen ist viel zu Vielfältig, als dass man es hier darstellen könnte. Jiu-Jitsu deckt alle Aspekte eines Kampfes ab. Ob im Stand oder in der Bodenlage, ob auf Distanz oder im Nahkampf, Jiu-Jitsuka sind auf alle Situationen trainiert.

Überblick über Technikgruppen

Fallschule (Ukemi): erlernen von Rollen und Stürzen in alle Richtungen und über Hindernisse

Ausweichen (Tai sabaki): Hier lernt man durch Körper-und Meidbewegungen, Angriffen auszuweichen

Blocken (Uke Waza): Blocken bedeutet stoppen (hart) oder aufnehmen (weich) von Angriffen

Schläge und Tritte (Atemi): Anwendung aller Schlag- und Tritttechniken, mit allen Körperwaffen (Kopf, Hand, Ellenbogen, Knie, Fuß) auf empfindliche Körperstellen, sowie Nervendrucktechniken (Kyusho) auf Vitalpunkte

Würfe (Nage Waza): werfen des Gegners durch - Fuß, - Beinwürfe
- Hüftwürfe
- Schulterwürfe
- Handwürfe
- Selbstfalltechniken

Würgegriffe (Shime Waza): Würgetechniken mit Hand- Arm, Bein- Fuß, der Kleidung oder Gegenständen

Hebel (Kansetsu Waza): Abwehrtechniken durch das Hebeln der Gelenke entgegen ihrer natürlichen Bewegung oder darüber hinaus

Würgegriff mit Armhebel

Würgegriff mit Armhebel

Festleger/Immobilisationstechniken (Gatame Waza): Festlegen oder Fixieren des Gegners, sodass er soweit in seiner Bewegung eingeschränkt ist, dass er kontrolliert werden kann

Transportgriffe: Techniken die es ermöglichen den Gegner ohne Eigengefährdung ab zu transportieren

Abwehrtechniken gegen Angriffe: Hier werden alle möglichen Techniken in Kombination nach den Jiu-Jitsu Prinzipien gegen alle möglichen Angriffe angewendet. Angriffe können ohne Kontakt (z.B. Schläge, Tritte), mit Kontakt (z.B. Griffe, Würger, Umklammerungen etc.) oder auch mit Waffen erfolgen.

Sparring/Übungskampf (Randori Kumite): Beim Sparring wird ohne ansagen der Angriffe verteidigt. Hier wird die Abwehr so realistisch wie möglich trainiert und nur dadurch eingeschränkt, dass der Partner nicht verletzt wird. Höchste Ansprüche an den Jiu-Jitsuka stellt die „freie Abwehr gegen mehrere Gegner“.

Bodenkampf: Übungskampf in der Bodenlage bei dem versucht wird den Gegner im Boden unter Kontrolle zu kriegen und zur Aufgabe zu zwingen

Waffentechniken: Hier werden Waffen (z.B. Stock, Messer) oder Gegenstände (z. B. Regenschirm, Schlüssel) vom Verteidiger nach den Jiu-Jitsu Prinzipien zur Abwehr eingesetzt

Formen (Kata): erlernen von Formen; Partnerformen im Jiu-Jitsu

Kata im Jiu-Jitsu

In der Jiu-Jitsu Union gehören Kata immer schon zum Prüfungsprogramm. Es handelt sich hierbei um Kata des Kodokan, der Judoschule des Judo Begründers Jigoro Kano. Was viele nicht wissen: die meisten der Kata existierten schon vor Kanos Judo und wurden von ihm übernommen. Kano hatte selbst jahrelang Jiu-Jitsu studiert.

Aber warum üben wir Kata und warum sind sie immer noch Bestandteil der Danprüfung? Kata bedeutet Form, also lernen wir eine Form, eine immer gleiche Bewegung. Sinn einer Kata ist grundsätzlich erst einmal das erlernen von Technik. Ohne störende Einflüsse von Außen, ganz auf die Technik konzentriert, kann man die meisten Kata allein trainieren und sich ständig verbessern. Im Karate und den Waffenkünsten existieren kaum Partnerformen. Diese gibt es überwiegend im Jiu-Jitsu bzw. Judo.

Der Inhalt einer Kata stellt zum einen Prinzipien eines Stils dar und sorgt zum anderen dafür, dass die Technik nicht in Vergessenheit gerät und unverändert weitergereicht wird.Viele alte Schulen verschlüsselten ihre Kata um Geheimnisse ihrer Kunst zu waren. Sie wurden oberflächlich gelehrt (Omote) und nur wenigen auserwählten Schülern der tiefere Sinn (Okuden) vermittelt. Auch heute noch gehen, bei manchen Kata, die Meinungen über den echten Sinn in der Anwendung (Bunkai) auseinander.

Die Kata der JJU werden nach den Richtlinien des Kodokan unterrichtet und gelehrt, da sie so weltweit verbreitet werden. Eine Kodokan Kata ist in Brasilien die gleiche wie in Italien, so kann man überall zusammen trainieren. Darüber hinaus kann man so weltweit in den Wettbewerb treten.

Die in der JJU gelehrten Formen beschränken sich auf fünf Kata:

1. Kodokan Goshin Jitsu no Kata – Kata der Selbstverteidigung
2. Kime no Kata – Kata der Entscheidung, Selbstverteidigung
3. Ju no Kata – Kata der Nachgiebigkeit
4. Itsutsu no Kata – Kata der Naturgesetze
5. Koshiki no Kata – antike Kata der Selbstverteidigung (wurde früher in Rüstung ausgeführt)

Diese fünf Kata vermitteln, teilweise schon über hunderte von Jahren, Techniken zur Selbstverteidigung und machen durch ihr ständiges üben Prinzipien deutlich. In der Itsutsu no Kata, zum Beispiel, werden durch Techniken folgende Naturgesetze dargestellt:
- die positive und negative Kraft
- das Beharrungsgesetz
- Zentrifugal- und Zentripetalkraft
- Kraft der Meereswellen
- Flugbahn und Kraft des Kometen

Alle Elemente der Kata finden wir in den Bewegungen in unseren Techniken wieder. Die Genauigkeit der Bewegungen entscheiden in der Technik über Effektivität und Nutzten. Sowie die Ju no Kata unsere Geschmeidigkeit trainiert, so können wir in der Kime no Kata Präzision und Kraft üben. (Kime – das Zusammenwirken körperlicher und geistiger Kraft in einer Handlung)

Der Trainierende kann sich im Detail der Technik und in seiner Bewegungsart immer wieder verbessern und neue wichtige Ansätze entdecken. Er verbessert sich in Darstellung und Ausdruck und verfeinert die Etikette. Das weitergeben dieser Formen ist der Garant für den Bestand einer Kunst und seiner unverfälschten Inhalte. Mit einer Kata sollte man sich rechtzeitig befassen, da es nicht einfach ist eine Kata neu zu erlernen. Hat man sie erlernt, sollte man durch ständiges üben am Ball bleiben und so, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Schüler die nachfolgen, das Lernen und Üben zu vereinfachen.

Über die Weiterentwicklung und Modernisierung, über das Anpassen an die modernen Gegebenheiten, darf man nicht außer Acht lassen:
Um neue Wege zu gehen muss man das Alte verstanden haben.

Kime no Kata

Kime no Kata – Waki Gatame